HIZ039 heißt der vom philippinischen Reisforschungsinstitut (PhilRice) entwickelte Gentechnik-Reis, in dessen Erbgut ein Gen aktiviert wurde. Es soll dafür sorgen, dass Eisen und Zink aus den Wurzeln und Blättern ins Reiskorn wandern. Damit die Reispflanze zunächst mehr Eisen aufnimmt, wurde ihr ein Gen aus dem asiatischen Wildapfel eingefügt. Eisen und Zink sind lebenswichtige Nährstoffe. Fehlen sie, werden vor allem Kinder krank. Ende April 2026 erlaubte die zuständige Behörde des Landwirtschaftsministeriums, PhilRice, HIZ039 anzubauen, um kommerzielles Saatgut zu gewinnen. Die Genehmigung sei ein wichtiger Schritt, den Reis Landwirten und Bevölkerung zugänglich zu machen, erläuterte das Portal Science. Zuvor seien aber noch ein bis zwei Jahre Entwicklungszeit erforderlich, um sicherzustellen, dass der Reis die von den Landwirten bevorzugten Eigenschaften aufweist sowie die Kornqualität und Krankheitsresistenzen, die erforderlich sind, um zum Anbau zugelassen zu werden.
Kritisch kommentiert hat die Zulassung die philippinische Organisation Masipag, in der Wissenschaftler:innen und Landwirt:innen seit Jahrzehnten bäuerliche Züchtungsprogramme durchführen und dabei zahlreiche, an lokale Bedingungen angepasste Reissorten entwickelt haben. Die Genehmigung von HIZ039 werfe schwerwiegende rechtliche und regulatorische Bedenken auf, heißt es in der Masipag-Erklärung. Die Organisation hatte vor zwei Jahren ein vorläufiges Urteil des Appellationsgerichts errungen. Dieses hatte das philippinische Zulassungsverfahren für Gentechnik-Pflanzen massiv kritisiert und die Behörden aufgefordert, Risikobewertung und Monitoring zu verschärfen und ihm die entsprechenden Maßnahmen zur Bewertung vorzulegen. Bis dahin dürften Zulassungsanträge für Feldversuche oder für die kommerzielle Vermehrung nicht genehmigt werden. Eine Entscheidung des Obersten Gerichts der Philippinen in diesem Fall steht jedoch noch aus. Dass die Behörden nun trotz des laufenden Verfahrens und der unzulänglichen Regelungen den Gentechnik-Reis zugelassen haben, gefährdet nach Ansicht von Masipag das Recht des philippinischen Volkes auf sichere Lebensmittel und eine gesunde Umwelt.
Das damalige Urteil betraf die Zulassung von „goldenem“ Reis, der gentechnisch so verändert war, dass er Betacarotin produzierte. Masipag schrieb nun, es sei beunruhigend, dass PhilRice angegeben habe, es wolle jetzt auch noch die Erbgutänderung des „goldenen“ Reises in die HIZ039-Pflanzen einbauen. So solle eine "3-in-1"-bioangereicherte Reissorte mit Vitamin A, Eisen und Zink entstehen. Eine entsprechende Pflanze hatte das Internationale Reisforschungszentrum IRRI bereits vor einem Jahr vorgestellt.
Tatsächlich geht auch HIZ039 auf Forschungsarbeiten am IRRI zurück, das ebenfalls auf den Philippinen sitzt. Dort hatten Wissenschaftler:innen bereits 2015 einen gentechnisch veränderten HIZ-Reis (High content of iron and zinc, hoher Eisen- und Zinkgehalt) hergestellt. Parallel dazu arbeitete das IRRI zusammen mit Partnern in Indien, Bangladesh und anderen Ländern daran, mit konventioneller Zucht mehr Eisen und Zink in den Reis zu bekommen. Ziel war es, dass Reis als Grundnahrungsmittel 30 Prozent der notwendigen Mengen liefern sollte. Dazu müssten die Körner rund 14 Mikrogramm Eisen je Kilogramm (µg/kg) enthalten und 28 µg/kg an Zink. Üblich sind bei geschältem Reis etwa zwei µg/kg Eisen und 16 µg/kg Zink.
Zwei im letzten Jahr erschienene Übersichtsarbeiten zeigten, dass sich diese Ziele mit konventioneller Züchtung nur schwer erreichen lassen. Sie machen aber auch deutlich, dass es noch viele offene Fragen gibt, von schlechteren Erträgen bei hohen Zinkgehalten bis hin zur Frage, wieviel Eisen und Zink im Reis überhaupt bioverfügbar ist, also vom Körper aufgenommen und verwertet wird. Masipag schrieb dazu, dass Hunger und Mangelernährung strukturelle Ursachen hätten. Dazu zählten Armut, sinkende Realeinkommen und ein Nahrungsmittelsystem, das von langjähriger landwirtschaftlicher Liberalisierung und Unternehmenskonzentration geprägt sei. Diese Ursachen würden durch gentechnisch veränderte Pflanzen mit mehr Nährstoffen nicht gelöst, sondern nur verdeckt. Zudem gäbe es genug eisen- und zinkreiche Nahrungsmittel, um die Menschen zu versorgen. Zum Beispiel habe PhilRice in den vergangenen Jahren auf konventionellem Weg zwei Reislinien gezüchtet, die mit 20 µg/kg deutlich mehr Zink enthielten als üblich, berichtete vor einem Jahr das Portal „Rice News“. Es gebe auf den Philippinen insgesamt sechs Reissorten mit erhöhtem Zinkgehalt, mit denen die Regierung die Ernährung der Bevölkerung verbessern wolle, hieß es damals. [lf/vef]
Hinweis der Redaktion: Die Webseite des philippinischen Reisforschungsinstituts https://www.philrice.gov.ph ist offenbar nur aus einigen Ländern abrufbar, aus Deutschland leider nicht.
