Chinesische Wissenschaftler:innen hatten in einem Feldversuch Hybride aus glyphosat-tolerantem Gentechnik-Reis mit Wildreis nach mehreren Generationen untersucht. Dabei zeigte sich, dass die Glyphosatresistenz in der dritten bis fünften Generation des gv-Wildreises stabil vererbt wurde. Gleichzeitig verlieh das Resistenzgen den Wildpflanzen Fittnessvorteile. Sie waren größer als unveränderter Wildreis, wiesen mehr Rispen und an diesen mehr Körner auf. Als Grund dafür vermuten die Forschenden, dass das durch das eingefügte Gen produzierte Enzym EPSPS nicht nur Glyphosat unschädlich macht, sondern auch in den Stoffwechsel eingreift. Dadurch produziert die Pflanze vermehrt bestimmte Aminosäuren, die sie fitter machen. Durch diese Vorteile könnte sich die gentechnische Veränderung stärker in Wildreispopulationen ausbreiten, schreiben die Forschenden. Dies hätte einen Verlust der genetischen Vielfalt in diesen Populationen zur Folge und könnte sich langfristig negativ auf die Umwelt auswirken. Deshalb seine weitere Forschungen notwendig.

Ebenfalls aus China kommt eine Studie, die sich mit der Auskreuzung der Glyphosatresistenz von gv-Sojabohnen auf wilde Sojabohnen befasst. Nordchina gilt als Heimat der Sojabohne und ihrer wilden Verwandten. Auch hier stellten die Forschenden fest, dass das Resistenzgen über Generationen hinweg stabil blieb und wilde Sojapflanzen fitter machte, was sich in höherer Biomasse, besser wachsenden Ranken sowie mehr und größeren Bohnen zeigte. Zugleich spalteten sich die Hybride in der vierten Generation in Stämme mit unterschiedlichen Ausprägungen auf. Einige zeigten Wuchsformen, die der rankenden wilden Sojapflanze ähnelten. Die Forschenden befürchten, dass sie sich dadurch noch besser in den Lebensräumen von wilder Soja, aber auch in anderen ökologischen Nischen ausbreiten könnten. Daher seien wirksame Maßnahmen erforderlich, um in Regionen, in denen wilde Sojabohnen wachsen, einen Genfluss von gv-Soja zu den wilden Verwandten zu verhindern, heißt es in der Zusammenfassung der Studie.

Die dritte Studie untersucht die unkontrollierte Ausbreitung von transgenen, herbizidtoleranten Rübsen in Argentinien. Rübsen (Brassica rapa) sind enge Verwandte des Rapses und können sich mit diesem kreuzen. Sie wurden nie gentechnisch verändert, dennoch wachsen in Argentinien gv-Rübsen mit Glyphosatresistenz als Unkraut auf über einer Million Hektar Land. Gleichzeitig ist der Anbau von gv-Raps in Argentinien seit 1997 verboten. Um herauszufinden, wie es zu der bereits 2012 erstmals festgestellten Verunreinigung kam, analysierten die Forschenden die genetische Vielfalt und die Populationsstruktur der argentinischen Rübsen-Vorkommen. Sie vermuten, dass die Herbizidresistenz entstand, weil sich in Argentinien illegal angebauter transgener Raps (Brassica napus) in benachbarte Rübsen ausgekreuzt hat. Dass in Argentinien häufig Glyphosat angewandt wird, könnte dazu beigetragen haben, dass sich das resistente Unkraut so schnell ausgebreitet hat.

„Alle drei Studien zeigen erneut, dass ökologische und genetische Zusammenhänge äußerst komplex und unvorhersehbar sind und negative Folgen eines Anbaus von Gentechnik-Pflanzen teils erst nach vielen Jahren auftreten können“, schreibt das Institut Testbiotech, das auf die drei Arbeiten hingewiesen hat. Es erinnerte daran, dass glyphosatresistente Rübsen bereits vor vier Jahren in Kanada festgestellt wurden und sich dort als Unkraut ausbreiten. [lf]