Schon vor gut einem Jahr meldete Bioceres Crop Solutions sinkende Umsätze und einen deutlichen Verlust. Damals teilte das Unternehmen mit, es wolle kein Saatgut mehr züchten, produzieren oder vertreiben. Damit gab es die Vermarktung des von ihm entwickelten, angeblich trockentoleranten Gentechweizens HB4 auf. In den Jahren zuvor war die Nachfrage in Argentinien und Brasilien gering geblieben, da der Weizen in der Praxis niedrigere Erträge lieferte als der Durchschnitt (Der Infodienst berichtete).

Im April 2025 kündigte Bioceres eine Fusion mit dem Gentechnikunternehmen Moolec Science an. Moolec will mit Hilfe gentechnisch veränderter Pflanzen tierische Proteine herstellen und hat bereits Sojabohnen namens Piggy Soy präsentiert, die Schweineproteine enthalten. Bei der im Juni 2025 abgeschlossenen Fusion tauschten die Eigentümer von Bioceres SA ihre Wertpapiere gegen Moolec-Aktien, teilte Moolec mit. Bioceres Gründer Federico Trucco blieb Geschäftsführer der Tochterfirma Bioceres Crop Solutions. Doch er bekam die finanzielle Schieflage des Unternehmens offenbar nicht in den Griff.

Bereits Anfang Juli 2025 konnte Bioceres SA laut einem Bericht von „La Nacion“ Schuldscheine in Höhe von 5,3 Millionen US-Dollar nicht rechtzeitig bedienen. Nach ihren Angaben betragen die Gesamtschulden der Muttergesellschaft inzwischen 30 Millionen US-Dollar. Deutlich stärker verschuldet ist die Tochter Bioceres Crop Solutions. Sie wies im Jahresabschluss 2024/2025 zum 30.06.2025 insgesamt 468 Millionen US-Dollar an Verbindlichkeiten aus, denen 333 Millionen Umsatz und ein Verlust von knapp 60 Millionen Dollar gegenüberstanden. Das erste Quartal des Geschäftsjahres 2025/26 endete für Bioceres Crop Solutions zum 30. September 2025 mit einem Umsatzrückgang und höheren Verlusten als im Vorjahreszeitraum.

Der Bericht nach dem zweiten Quartal wies eine Wertminderung von 179 Millionen US-Dollar aus. Grund war die Zwangsvollstreckung von Vermögenswerten der Tochtergesellschaft Pro Farm am 20. Januar 2026. Pro Farm sollte sich einst um die Geschäfte von Bioceres in den Vereinigten Staaten und Europa kümmern. Die Versteigerung brachte 15 Millionen US-Dollar ein, während das Vermögen mit 194 Millionen Dollar in den Büchern stand. Bioceres klagt gegen die Auktion, da es die Bedingungen der Versteigerung als nicht angemessen erachtet.

Mit diesen Zahlen zog sich Trucco den Unmut des starken Mannes bei Moolec, Juan Sartori, zu. Der uruguayische Unternehmer hielt nach der Fusion über seine Union Group und andere Firmen fast 40 Prozent der Moolec-Aktien. Die Zeitung "La Nacion" berichtet, er habe im Dezember 2025 eine Sitzung einberufen, um Trucco zu entmachten. Über deren Rechtmäßigkeit müsse ebenfalls noch ein Gericht entscheiden. Parallel dazu beantragte Sartori die Insolvenz und bekam Recht. Am 3. März 2026 beschloss Fernando Mécoli, Richter für Zivil- und Handelssachen in der argentinischen Stadt Rosario, das Insolvenzverfahren gegen das Unternehmen Bioceres SA zu eröffnen.

Die Tochter Bioceres Crop Solutions bleibt davon formal unberührt. Sie hat den Konkurs der Mutter auf ihrer Webseite nicht einmal erwähnt. Im letzten aktuellen Statement vom 16. März setzte Trucco seine Hoffnung auf Gespräche mit den Banken, um die Schulden der Tochter umzuschichten. Parallel dazu soll das Management einen langfristigen Finanzplan entwickeln. Dass die Tochtergesellschaft Rizobacter Argentina Unternehmensanleihen erfolgreich verlängern konnte, sieht Trucco als positive Entwicklung.

Der Zustand von Bioceres SA spiegelt sich im Aktienkurs wider. Ende Januar fiel der Wert der an der US-Börse Nasdaq gelisteten Aktien auf unter einen US-Dollar. Seither pendelt er zwischen 40 und 60 Cent. Die Nasdaq hat laut Börse Express bereits ein offizielles Delistungsverfahren eingeleitet. Bis zum 14. September 2026 müsse der Aktienkurs an mindestens zehn aufeinanderfolgenden Tagen wieder über der Marke von 1,00 US-Dollar schließen. Ansonsten würde Bioceres aus dem Nasdaq fliegen und damit für viele Anleger:innen uninteressant werden. Ebenfalls im Nasdaq ist die Aktie von Moolec Science. Das Unternehmen teilte Anfang April mit, dass jetzt 65 Prozent der Anteile der Agricultural Investment Group gehören. Die auf den britischen Jungferninseln ansässige Firma wurde laut Market Screener 2008 von Juan Sartori gegründet. [lf]