Zitate

Bettina Präder, Imkerin

Bettina Präder
Imkerin und Agrarwissenschaftlerin, Mitträgerin von IMBI SAM – Initiative für das Wirken und Wohl des Bien innerhalb von WIR e.V. Mensch Natur Kultur und Mitwirkende im Projekt Guthausen in D-Salem am Bodensee

In der grünen Gentechnik wirkt das Trennende in der Spaltung des Erbgutes, in Gegner und Befürworter, in vorher und nachher mit unwiederbringlichen Folgen, in der zunehmenden Einseitigkeit unserer Landschaftsräume durch Monokultur und Artenrückgang, in der Bildung von Abhängigkeiten innerhalb der menschlichen Nahrungskette u.v.m..

Vielfalt steht der Einfalt gegenüber und die letztendliche Entscheidung darüber, in welcher Richtung wir weiter gehen wollen, liegt bei uns Menschen. Mein klares Ja gilt dem unerschöpflichen Leben, welches immer noch viele unentdeckte Möglichkeiten in sich birgt.

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Moderne Obstzüchtung Drucken E-Mail
Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 10:27 Uhr

Dipl.-Ing. agr. Philipp Haug

Freiberuflicher Öko-Obstbau-Berater, Bioland-Obstbauer, Vorstandsmitglied des Fachverbands FÖKO (Fördergemeinschaft Ökologischer Obstbau e.V.) und dort Sprecher des AK Sorten und Züchtung.

 

Philipp Haug nimmt zur Frage, ob wir die Gentechnik im Obstbau bzw. in der Obstzüchtung brauchen, klar Stellung. Denn Gentechnik, bei der direkt in den Organismus auf DNA-Ebene eingegriffen wird, ist für ihn nicht akzeptabel. Das Wissen und vor allem das Nichtwissen um potenzielle Risiken verbieten den Einsatz einer solchen Technik. Aus Sicht der ökologischen Anbauverbände sind hierbei auch Verfahren auszuschließen, die mit arteigenen Genen („Cisgenese“) auf DNA-Ebene eingreifen und diese Gene an einem zufälligen „Einbauort“ in der DNA im neuen Organismus hinterlassen. Ebenso kritisch ist die Entstehung der Elternlinien künftiger Neuzüchtungen zu hinterfragen. In einem Ansatz wird hierbei zur Züchtungsbeschleunigung (early flowering-Methode) mit Transgenen-Pflanzen (z.B. Birkengen auf Apfel) gearbeitet. Selbst wenn dieses im Endprodukt nicht mehr auftaucht, bleibt die Frage nach der Anordnung und den Auswirkungen auf das Wechselspiel der verbleibenden Gene und deren Eigenschaften nach diesem „widernatürlichen“ Eingriff. Aus Sicht der Öko-Praxis sind solche Methoden abzulehnen.

 

Zugleich streicht er die Risken dieser neuen Technologie klar hervor. Die gentechnische Züchtung verfolgt das Ziel, eingeführte moderne Sorten mit neuen Eigenschaften, die auf einzelnen Genen bzw. Gensequenzen lokalisiert sind, anzureichern. Die genetische „Einfalt“ neuer Sorten wird dadurch nicht durchbrochen. Es ist zu befürchten, dass eine solche Entwicklung die biologische Vielfalt weiter verdrängt.

Das Risiko einer unkontrollierten Auskreuzung und Verbreitung von gentechnisch verändertem Erbgut ist nicht beherrschbar. Dies trifft nicht nur auf den Apfel zu, sondern gilt auch für alle Obstarten und besonders für Steinobst, bei dem die Auskreuzung mit Wildarten eine zusätzliche Gefahr darstellen würde.

 

Die herkömmliche Züchtung stellt für Haug eine klare Alternative dar. Dafür nennt er Beispiele aus der jüngeren Arbeit einiger Züchter, die resistente und qualitativ hochwertige Sorten mit Hilfe klassischer Kreuzungszüchtung entwickelt haben. Mit der markergestützten Selektion könnten künftig auch stabilere Resistenztypen (pyramidisierte Resistenz) mit klassischer Kreuzungszüchtung entstehen. „Züchtung profitiert von genethischer Forschung, braucht aber keine risikoreiche gentechnische Manipulation.“ Parallel dazu sind Initiativen gefragt, die nicht nur die Resistenz gegenüber einzelnen Schadorganismen zum Zuchtziel haben, sondern die gesamte Vitalität einer Pflanze in den Mittelpunkt stellen und verfolgen. Eine gesteigerte Vitalität und breite „Feldtoleranz“ erfordert das Einbeziehen eines breiteren genetischen Sortenpools bei der Auswahl der Elternlinien. Eine Vernetzung der aktiven Züchter und der Züchtungsforschung mit der Obstbaupraxis ist für eine erfolgreiche Arbeit unausweichlich und muss durch Förderprogramme gestützt werden.


>> Interview zum Download als pdf