Zitate

Johann Fleschhut, Landrat Ostallgäu„60 % unserer gesamten Landkreisfläche  sind  bei uns im Ostallgäu landwirtschaftlich genutzt. Hinzu kommt eine einzigartige Kulturlandschaft mit zahlreichen Flüssen, Seen, Mooren und weiteren naturnahen Lebensräumen mit hochwertigen Tier- und Pflanzenvorkommen. Ein Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut in der Landwirtschaft hätte auf diese Gebiete einen gravierenden Einfluss. Wir sehen unsere Aufgabe ganz klar im Erhalt unserer Landschaft, unserer Natur und unserer erzeugten landwirtschaftlichen Produkte ohne Gentechnik. Das sind wir nicht nur uns selbst, sondern auch unserer kommenden Generation schuldig.“

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Die Ethik zukunftsfähiger Landwirtschaft Drucken E-Mail
Donnerstag, den 17. Februar 2011 um 10:24 Uhr

Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Vorstand der Schweisfurth-Stiftung, München, Honorarprofessor für Umweltethik an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität, Berlin, Gastprofessor für Stakeholder Management and Business Governance, Shanghai Academy of Social Sciences, Dozent für Politische Ökologie an der Hochschule für Politik, München, Selbstständiger Managementtrainer und Unternehmensberater, stv. Vorsitzender der bayrischen Verbraucherkommision.

 

Franz-Theo Gottwald


Die so genannte grüne Gentechnik ist geradezu eine Mega-Technologie, zu der es eine ständige Auseinandersetzung aus ethischer Perspektive braucht, weil sie die Verhältnisse auf den Böden, in den Ställen und am Ende auch mit Bezug auf das, was Menschen essen und trinken, radikal ändern wird“ , bringt es der Ethiker Franz-Theo Gottwald auf den Punkt. Persönliches und berufliches Engagement trennt er dabei nicht, denn Moral sei unteilbar. Selbst ist er als Vorstand der Schweisfurth-Stiftung in München seit 25 Jahren für nachhaltige Land- und Lebensmittelwirtschaft engagiert. Ethische Reflexionen greifen immer in sein ganz persönliches Leben ein. Er hat ein vitales Interesse, alles was er über Möglichkeiten einer guten bäuerlichen Landwirtschaft weiß, im eigenen Lebensumfeld in seinem Dorf bei München einzubringen. Damit die gute Praxis der bäuerlichen Landwirtschaft, die gepflegte Landschaft und Frieden zwischen den Familien bestehen bleibt und sich das Bemühen darauf richtet, dass alle überleben können und keiner in den nächsten 20 Jahren aufhören muss. „Das ist angewandte Ethik!“

 

Die akademische Arbeit ist insofern auch angewandt, als er die ethischen Bewertungen für den Bereich der Politik und Wirtschaft erstellt und diese immer direkt für Firmen oder den politischen Raum in Berlin relevant sind. Das sind beispielsweise Folgenabschätzungen bei neuen (Mega-)Technologien, die einen verantwortlichen Umgang in der Zukunft ermöglichen. Eines der Kernprobleme bei der Gentechnik besteht darin, dass dieses Wissen mit Patenten belegt und damit der allgemeinen Nutzung entzogen wird oder nur gegen Gebühren (bei Saatgut, auch bei tierischem Zuchtgut) zu nutzen ist, sodass ein System entsteht, das immer wieder frisches Kapital vom Kapitalmarkt braucht. Die bäuerliche Land- und Lebensmittelwirtschaft mit kleiner, handwerklicher Verarbeitung, also kleine und mittlerer regionale Wirtschaftsformen, werden in diesem System keinen Platz mehr haben, befürchtet Gottwald. Allein gesellschaftlich-politische Entscheidungen können für die Koexistenz unterschiedlicher Landbau- und Verarbeitungssysteme sorgen.

 

Bewusste Investitionen seitens der Konsumenten und auch des Staates mit Steuermitteln seien notwendig, um Lebens- und Arbeitsräume in ländlichen Regionen zu schaffen, die für kleine und mittlere Betriebe geeignet sind. Gottwald denkt an Betriebe, die mit 20 bis 25 ha bzw. 30 Milchkühen im Stall marktfähig bleiben müssen. Andere Erwerbsmöglichkeiten rund um den Bauernhof, nicht nur im Bereich Tourismus oder Energie, sind gefragt. Dazu könnte die Saatgutvermehrung gehören, oder der Bereich der Rehabilitation, ebenso Gesundheitsleistungen im ländlichen Raum, sowie generell Leistungen zur Erhaltung der Biodiversität und der Kulturlandschaftspflege. „All das sind Leistungen im ländlichen Raum, die als Ganzes via Steuermitteltransfer honoriert werden müssen, weil nicht jede marktfähig ist, aber doch von der Gesellschaft gewollt ist.“ Werden diese Betriebe dem Prinzip Wachsen oder Weichen geopfert, verschwindet auch das Wissen, es entstehen vermehrt Agrarwüsten, ausgeräumte Flächen, deren Böden alle gleich behandelt werden, und die Biodiversität und damit auch Nahrungsgrundlagen gehen verloren.

Die hoffnungsvollste Entwicklung sieht Gottwald in der Verbindung zwischen Kunden mit Landwirten in gemeinsamen Projekten. „Wenn Kunden auch zu Geldgebern für die Weiterentwicklung bäuerlicher Betriebe werden, hat man ganz praktisch eine Basis dafür dass Landwirtschaft als eine soziale, von der Gemeinschaft getragene Realität gut weitergegeben werden kann.“ Wenn Kunden (Konsumenten) für Partnerschaften mobilisiert werden können, es eine Landwirtschaft mit Gesicht und auf der Basis von Gemeinschaften gibt, wird Zukunft geschaffen.

 

In seiner Funktion arbeitet Gottwald konkret am Aufbau von Genussschein-Modellen zwischen Konsumenten und landwirtschaftlichen Betrieben, und auch in seiner Eigenschaft als Leiter der Grundsatzkommission von Slow Food Deutschland im Projekt ‚Städter werden Bauern’. „Immer da, wo Kommunikation gestiftet wird, wo zur Begegnung angestiftet wird, sind wir mit Stiftungsmitteln und möglichen Ressourcen von der Universität dabei.“

Vom Publikum der Konferenz war der Referent selbst begeistert: ein informierter Teilnehmerkreis, der fachlich präzise Fragen stellt, und die qualitativ höchstwertigen Impulsreferate und Informationen beeindruckten. Als großen Gewinn bezeichnete er die politische Präsenz auf Ebene von Landkreisen bzw. Landesebene in Vorarlberg und den Kommunen ein. Dadurch könnten Impulse von der Tagung auch direkt umgesetzt werden.


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